Die besondere Münze: Pfennige der Stadt Erfurt

Ein Beitrag von Helmut Kahnt

Erfurt, Glatter Pfennig ohne Jahr
Erfurt, Glatter Pfennig 1606

Die Münzprägung der Stadt Erfurt ist leider noch immer nicht in einem Korpuswerk aufgearbeitet, so daß das betagte Werk von J. Leitzmann aus dem Jahr 1862 („Das Münzwesen und die Münzen Erfurts“) noch immer zum Abgleich herangezogen werden muß. „Zum Abgleich“ deshalb, weil 2006 von Gudrun Noll die Veröffentlichung von „Die Münzsammlung Gerd Behr“ erfolgte, die inzwischen zur Einordnung Erfurter Münzen unentbehrlich geworden ist. Wenn also in beiden Publikationen eine Erfurter Prägung nicht aufgeführt ist, kann man mit einiger Berechtigung davon ausgehen, daß sie noch unediert oder nur an entlegener Stelle erwähnt worden ist. Das trifft naturgemäß am ehesten für die kleinsten Münzen, die Scherfe und Pfennige, zu, denen in der Vergangenheit weit weniger Aufmerksamkeit geschenkt wurde als den Großsilber- und Goldmünzen. Einige derartige Exemplare aus einer Privatsammlung sollen hier vorgestellt werden.
Nach G. Röblitz setzte die Prägung von Hohlpfennigen nach einer längeren Prägepause in Erfurt wieder um das Jahr 1468 ein. Zwischen 1489 und etwa 1500 sollen dann glatte, einseitige Pfennige ausgegeben worden sein, denen bis 1525 wieder Hohlpfennige folgten. Als ältester Typ der glatten Pfennige wird unter der Behr-Nr. 121 ein Münzbild vorgestellt, das die Kapellendorfer Pfähle mit unten aufgelegtem, sechsspeichigem Rad aufweist.
Nun listet aber Leitzmann in seinem Werk unter der Nummer 418 einen Pfennig auf, der wie folgt beschrieben ist: „In einem Perlenzirkel ein der Länge nach ge-theilter Schild, rechts das Rad, links die Pfähle, oben .I-E. (H u. E verbunden).“ „Links“ und „rechts“ sind in dieser Beschreibung im heraldischen Sinn verwendet worden. Die Formulierung „In einem Perlenzirkel“ deutet auf den für die rheinischen Schüsselpfennige des 15. Jahrhunderts typischen dicken Perlkreis hin. in der Sammlung Behr ist eine solcher Pfennig nicht vorhanden, deshalb soll einer hier abgebildet werden. Es ist tatsächlich ein Schüsselpfennig, bei dem allerdings über dem Schild nur der Buchstabe .E. (nicht I-E verbunden) vorhanden ist.
Professor Günther Röblitz hat ein solcher Pfennig-Typ bei seiner „Erfurter Münzgeschichte der Groschenperiode bis zur ersten Talerprägung 1548“ (1992) sicher nicht vorgelegen, sonst hätte er ihn mit erwähnt Dieser Schüsselpfennig repräsentiert einen weiteren Pfennig-Typ der Stadt Erfurt, den man zu den sieben Typen, die Röblitz in seiner Tabelle 1 zusammengestellt hat, hinzufügen muß. Das recht niedrige Gewicht von 0,21 g erlaubt bei einem Einzelstück und bei Unkenntnis des Feingehalts keine sicheren Schlußfolgerungen auf den Prägezeitraum. Mit einiger Vorsicht wird man die Prägezeit in das 16. Jahrhundert legen können. Für Erfurt und darüber hinaus für Thüringen/Sachsen stellt der Schüsselpfennig zu dieser Zeit eine recht singuläre Erscheinung dar.
In Mainz wurden derartige Schüsselpfennige mit dem typischen dicken Perlkreis im 15. und 16. Jahrhundert geschlagen und selbst vom Beginn des 17. Jahrhunderts ist der Typ noch bekannt. Leitzmann führt ihn unter der Nummer 417 irrigerweise für Erfurt auf. Die Buchstaben „ML“ über dem Radschild stehen jedoch für „Mainzer Landmünze“, und der Prägeherr war Erzbischof Johann Schweikhardt von Kronberg (1604–1626).
Bei den undatierten Stücken fällt eine Änderung dieses Schemas auf. Der Großbuchstabe „E“ wird plötzlich von zwei Kreuzen flankiert, während links und rechts vom Schild relativ große Ringel erscheinen. Man könnte fast geneigt sein, diese für die verkürzte Jahreszahl (15)00 zu halten?
Abschließend soll hier noch ein Pfennig vorgestellt werden, der weder von Leitzmann aufgeführt wurde noch in der Sammlung Behr vorhanden ist.
Laut der Anmerkung von Gudrun Noll bei der Behr-Nr. 173 war Florian Gruber (Münzmeisterzeichen FG oder G) von 1599 bis 1607 Münzmeister in Erfurt. Sein Nachfolger in diesem Amt war Hieronymus Gronberger (Münzmeisterzeichen HG, IG oder GI [?]). Das auf der hier abgebildeten Münze vorhandene Münzmeisterzeichen ähnelt aber stark dem Münzmeisterzeichen auf dem Pfennig 1609 (Behr-Nr. 184), das Gudrun Noll mit „GI“ angegeben hat. Auf einem Pfennig von 1606 dürfte es aber noch nicht vorhanden sein!
Betrachtet man sich den Pfennig Behr-Nr. 184 aber genauer, wachsen Zweifel an der Jahreszahl 1609. Die „9“ sieht eher aus wie eine „0“, die aus einer anderen Ziffer im Stempel umgeschnitten worden ist (die echte „9“ bei Behr-Nr. 171ff. hat ein völlig anderes Aussehen). Dann wäre die Behr-Nr. 184 nicht vom Jahrgang 1609, sondern vom Jahrgang 1600. Das Münzmeisterzeichen „GI“ wäre dann ein „G“, wie es auf den Behr-Nrn. 175f. vorhanden ist. Das „GI“ als drittes (!) Münzzeichen neben „HG“ und „IG“ von Hieronymus Gronberger würde damit entfallen. Die Jahreszahl 1606 und das Münzmeisterzeichen „G“ (für „Gruber“) auf dem hier vorgestellten Pfennig „passen“ dann auch gut zusammen.