Beyenbach – eine Wiesbadener Prägeanstalt

Ein Beitrag von Matthias C. Koch

Georg Theodor Beyenbach im Alter von 58 Jahren
Bromberg, Medaille, Bronze,
Handwerksausstellung 1904

Es ist immer wieder erstaunlich, wem man die Medaillen zuordnet, die von der „Wiesbadener Metallwaarenfabrik1 Beyenbach hergestellt wurden. Als „B“, „BY“, „B“ oder „BW“ wird ihr Firmenzeichen gerne interpoliert. Ein Vornamen wird überall fälschlicherweise mit „W.“ abgekürzt. Meistens werden ihre Erzeugnisse einfach einem „unbekannten Medailleur“ zugeschrieben.
Dabei ist es nicht schwer zu erkennen, daß das Firmenzeichen ein einfaches „B“ mit einen Merkurstab („Kerykeion“) darstellt (Abb. 1). Nomen est Omen – der Merkurstab als Glücksymbol für den Händler – war Beyenbach doch in eigener Person kein Medailleur, sondern lediglich der Besitzer der Firma, die zeitweise über 23 Angestellte beschäftigte.2 Ein Grund, sich mit dem Leben dieses Mannes einmal näher zu befassen.

Beyenbachs Leben
Georg Theodor Beyenbach, geboren am 17. Dezember 1857 in Lingelbach (Krs. Hirzenhain, Oberhessen), besuchte von 1863 – 1871 die Volksschule. Seine Eltern – der Vater war Ortsdiener in Lingelbach – strebten danach, ihm einen Beruf zu ermöglichen, der ihn aus der Enge des Bauerndörfchens befreien sollte, und so trat der 13jährige am 1. April 1871 eine Kaufmannslehre bei der Firma Mauermann & Söhne in Alsfeld an. Nach Beendigung der Lehrzeit blieb er vier weitere Jahre bei der Firma und begann mit Erreichen des 20. Lebensjahres seinen Militärdienst im 70. Infanterie-Regiment in Diesenhofen / Lothringen.
Am 1. April 1883 erhielt er die Beförderung zum Unteroffizier und nahm anderthalb Jahre später, am 1. Oktober 1884, seinen Abschied vom aktiven Dienst. Vermutlich war die Liebe zu Maria Barbe Gacher der Grund für seinen Austritt, da er sie schon im selben Jahr am 27. Dezember heiratete. Mit dieser Ehe wurde auch sein am 26. März 1884 geborener Sohn Georg Theodor August nachträglich legimitiert. Die junge Familie weilte noch für einige Monate in Metz, Diedenhofener Str. 27, wo Beyenbach seinem neuen Beruf als Handlungsreisender nachging, um dann Ende des Jahres nach Wiesbaden zu ziehen. Hier gründete er am 25.7.1888 die „Beyenbach’s Metallwaarenfabrik“, mit Sitz im Dambachtal 21, „Villa Diana“. 1894 zog die Anstalt um in die Kellerstraße 17. Wohnung bezog Beyenbach zuerst in der Lehrstraße, später in der Röderstraße.
Das Geschäftskapital belief sich anfangs auf 65000.– Mark, zwei Jahre später wurde es auf 80000.– Mark erhöht. Das gesamte Betriebsinventar belief sich zu dieser Zeit auf 89750.– Mark.
Leider beging Beyenbach einen folgenschweren Fehler: Er legte das Gesamtkapital bei nur einer einzigen Bank nieder anstatt es auf mehrere Banken zu verteilen. 1901 machte das Geldinstitut Pleite, und sämtliche Anleger verloren ihr Geld. Davon blieb auch Beyenbach nicht verschont. Er mußte Konkurs anmelden. Das Konkursverfahren gegen ihn wurde am 8. Februar 1902 um 6.30 Uhr morgens eröffnet und nach über einem Jahr, am 20. Mai 1903, beendet. Die Folge war Einstellung des Betriebes, obwohl er noch am 28. März den Grundstein zum Fabrikneubau in Seitzenhahn / Taunus gelegt hatte.3 Doch Beyenbach ließ sich nicht entmutigen und gründete eine neue Metallwarenfabrik mit Exportgeschäft in der Wiesbadener Karlstaße 35. Mitte 1907 verkaufte er das gesamte Firmeninventar an die Prägefirma Ferdinand Hoffstätter in Bonn. Am 3. September 1908 wurde die Metallwarenfabrik Beyenbach aus dem Handelsregister gelöscht.
Beyenbach war Kaufmann, und so eröffnete er schon am 10. Mai 1909 die „Lebensmittelgroßhandlung Georg Beyenbach“ in der Goebenstraße 8 in Wiesbaden. Immerhin beschäftigte er dort 8 Angestellte und 35 Arbeiter! Aber nach nur knapp zwei Jahren war wieder Schluß, am 18. Januar 1911 erlischt auch diese Firma. Anschließend wandte Beyenbach sich wieder seinem alten Beruf als Handelsvertreter zu. Kaffee- und Importgeschäfte waren sein Gebiet.
Privat gab es auch einige Veränderungen. So seine Scheidung von der ersten Frau Maria am 19. Dezember 1914, und die Heirat mit Susanne Bernhardine Maria Klötz nur 4 Tage später. Aus der Beziehung waren bereits die beiden Kinder Georgine Barbara Erna Margarethe *1898 und Elfriede Wilhelmina Johanna *1903 hervorgegangen, die durch die Heirat legitimiert wurden. Seine Frau Susanne starb am 27. Oktober 1921 im Alter von 50 Jahren. Er selbst verbrachte den Rest seines Lebens in Wiesbaden, Goebenstraße 8.
An den Spätfolgen einer Kriegsverletzung, die er sich im 1. Weltkrieg zuzog, verstarb Georg Theodor Beyenbach am 10. Januar 1930. Sein Grab befindet sich in der Kriegsgräberstätte auf dem Südfriedhof in Wiesbaden.

Beyenbachs Werk
Die Beyenbach’schen Prägungen haben Wiesbaden und die Region numismatisch ungemein belebt, denn in den 20 Jahren des Bestehens dieser Firma wurden eine Unzahl an Medaillen und Wertmarken geprägt. Mir sind bis zum heutigen Tag über 700 verschiedene Prägungen bekannt, ich schätze sein Gesamtwerk aber mindestens auf das Doppelte bis hin zum Dreifachen!
Beyenbach beschränkte sich nicht auf die heimische Region. Er prägte Stücke für fast jede größere deutsche Stadt. Es finden sich Prägungen von München bis Kiel, von Aachen bis Zerbst, sogar für das Ausland, u.a. Niederlande und Böhmen, hat er gearbeitet.
In praktisch jedem numismatischen Katalog tauchen Medaillen aus dem Hause Beyenbach auf, allerdings meist unter „unbekannter Medailleur.
Geprägt wurde schon im Gründungsjahr 1888, die meisten Medaillen erschienen in den Jahren 1895 bis 1898, die letzte bekannte Prägung fand im Jahre 1908 statt.
Die Signaturformen in den Anfangsjahren 1888 – 1889 waren schlicht gehalten: „G. B.“, „G. B. Wiesbaden“.
Erstmalig tritt Anfang 1890 sein Zeichen „B“ mit integriertem Merkurstab in Erscheinung, das er bis zuletzt verwendet hat (das Zeichen wurde im September 1889 zum Muster angemeldet).
Auf einigen größeren (39 mm – 60 mm) und anschaulicheren Medaillen wird manchmal zusätzlich „BEYENBACH WIESBADEN“ aufgeführt.
Geprägt wurde bei Beyenbach überwiegend in Aluminium und Bronze, gelegentlich in Silber und Zinn, und nur ganz selten in Gold4. Die Medaillen aus Aluminium haben immer eine mitgeprägte Öse, Stücke aus Bronze sind öfter versilbert oder vergoldet.
Beyenbach’sche Prägungen sind vom künstlerischen Standpunkt zwar nicht besonders ansprechend, aber das war von ihm auch nicht beabsichtigt, er produzierte preiswerte „Erinnerungs-Medaillen“ für Volksfest, Veranstaltungen und ähnliche Anlässe. Auch seine Auftragsgeber legten anscheinend nur Wert auf solides Handwerk und entsprechende Optik.