Breitenfeld, 17. September 1631Die Rettung des deutschen Protestantismus im Glanz der MedaillenkunstEin Beitrag von Andreas Herrmann
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Schweden, Medaille 1632 von Sebastian Dadler, Vs. König Gustav Adolf, Rs. der schwedische König mit Schwert und Schild über den besiegten Feinden
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Beim Dorf und Rittergut Breitenfeld in der Nähe von Leipzig wurden im Dreißigjährigen Krieg zwei große Schlachten geschlagen. Im Jahre 1631 die erste und 1642 die zweite.
Die erste Schlacht 1631 ist von besonderer Bedeutung, da durch die Niederlage des vorher nie besiegten Heeres der kaiserlichen Liga der Ruf der Unbesiegbarkeit genommen wurde. Unter dem nominellen Oberbefehl des bayerischen Kurfürsten Maximilian I führte der gefürchtete Feldherr Tilly das Kommando. Die Schlacht war der Anfang vom militärischen Ende Tillys. Der Sieg der vereinten schwedischen und sächsischen Heere unter Gustav II. Adolf von Schweden sicherte nach dem Restitutionsedikt vom März 1629 durch Kaiser Ferdinand II. und dem Fall von Magdeburg die Zukunft des deutschen Protestantismus.
Der Sieg der Schweden trug wesentlich zur Rettung des Protestantismus bei. Dieses Ereignis wurde mit sehr schönen und seltenen Medaillen gewürdigt.
Auf die zweite Schlacht und den Sieg der Schweden von 1642, was mindestens genauso viel Blut kostete, kann hier an dieser Stelle nicht eingegangen werden.
Die Schlacht
Am 17. September 1631 traf der kaiserliche Feldherr Tilly bei Breitenfeld auf ein vereinigtes schwedisch-sächsisches Heer (Abb. 2). Nicht nur zwei Heere standen sich damals gegenüber. Der katholische Tilly und der protestantische Gustav Adolf bauten auf zwei völlig verschiedene militärische Taktiken. Tilly (Abb. 3) verwendete die traditionellen Tercios, was man mit dem deutschen Begriff „Gewalthaufen“ übersetzen könnte, eine Kombination von Pikenieren und Musketieren in einer Breite von 50 und Tiefe von 30 Mann. Er stellte also seine Infanterie in Blöcken in der Mitte auf, und schützte mit der Reiterei die Flügel.
Gustav Adolf dagegen kämpfte in neuer Taktik. Er verwendete die Schachbrettaufstellung. Dabei agierten kleine Einheiten von Fußvolk mit nur 6 Mann Tiefe zusammen mit der Kavallerie. Diese Aufstellung verlangte viel Raum nach allen Seiten, gewährleistete aber schnelle taktische Manöver.
Am Tag der Schlacht (Abb. 4) herrschte Hitze, Trockenheit und kräftiger Wind. Dadurch wurde Staub aufgewirbelt, der sich mit Pulverdampf mischte und den Kämpfenden Sicht und Atemluft nahm.
Zu Beginn der Schlacht versuchte General Pappenheim mit seiner Reiterei einen Umfassungsangriff. Bei üblicher Schlachtordnung hätte dies für die Schweden verhängnisvoll sein können, doch durch die Beweglichkeit der schwedischen Truppen wurde er abgefangen und Pappenheim mußte sich zurückziehen. Dem Fußvolk und der Reiterei war es in kürzester Zeit gelungen, die Verteidigungsrichtung zu ändern. So sicherte die Beweglichkeit des schwedischen Heeres den Sieg von Breitenfeld, und das obwohl ihre Verbündeten, die sächsischen Truppen unter Kurfürst Johann Georg I. (Abb. 5), schon nach zwei Stunden Kampf ihre Waffen weggeworfen hatten und geflüchtet waren. Ebenso schnell war übrigens der Kurfürst vom Schlachtfeld verschwunden. Dies brachte für den Sachsenherrscher die Feindschaft der Schweden. Die Protestanten sollten ihn später wegen seiner Wankelmütigkeit als „Verräter von Prag“ titulieren.
Die Leidtragenden seiner Flucht waren die Sachsen. Denn die Schweden verheerten sein Land immer wieder, bis zwischen den beiden Kriegsparteien im Jahr 1645 der Waffenstillstand von Kötschenbroda geschlossen wurde, der allerdings auf ein halbes Jahr begrenzt blieb. Im April 1646 wurde er nach langwierigen Verhandlungen in Eilenburg bei Leipzig bis zum Ende des Krieges prolongiert. Dafür mußte Sachsen hohe Kontributionen an die Schweden leisten und schwedische Garnisonen in Leipzig und Torgau akzeptieren.
Nach der Schlacht von Breitenfeld war die Gefahr einer katholisch-habsburgischen Vorherrschaft weitestgehend gebannt. Viele Gegner Gustav Adolfs (Abb. 6), die ihn als „Schneekönig“, in Anlehnung an den „Winterkönig“ Friedrich V. von der Pfalz verspottet hatten, erschien er jetzt als Kriegsgott. Von den Protestanten wurde er als Held und Retter des deutschen Protestantismus idealisiert, und der Siegeszug des Schwedenkönigs, des „Löw´aus Mitternacht“ konnte beginnen.
Deutschland stand den schwedischen Invasoren offen, die in Eilmärschen nach Südwest- und Süddeutschland zogen. Sie besetzten Stützpunkte der Liga und restituierten in einigen freien Reichsstädten die unterdrückte protestantische Obrigkeit.
Die Verluste von Breitenfeld
Trotz aller Anstrengungen Tillys war am Abend der Schlacht die vorher nie besiegte kaiserliche Armee total aufgerieben. Er selbst war verwundet, entging jedoch der Gefangenschaft und konnte mit etwa 600 Mann nach Halle fliehen. Neben dem Ruf seiner Unüberwindlichkeit verlor Tilly von seinen 40000 Mann 12000, die nun tot oder schwer verletzt auf dem Schlachtfeld lagen. Gleichzeitig hatten die Schweden 26 Kanonen und 90 Fahnen erbeutet, dazu etwa 7000 Mann gefangengenommen. Diesen erheblichen Verlusten standen auf der gegnerischen Seite nur ca. 3000 Tote und Verletzte gegenüber.
Diese Verluste waren enorm. Man bedenke, daß selbst Ende des Krieges die kaiserliche Armee lediglich etwa 70000 und ihre Gegner, insbesondere Schweden und Frankreich, 140000 Mann unter Waffen hatten.
Silbermedaillen 1631/32 auf den Sieg bei Breitenfeld
Auf den Sieg der Schweden in der Schlacht von Breitenfeld sind sehr schöne und in der Regel sehr seltene Schautaler geprägt worden. Stellvertretend hierfür sind nachfolgend drei Medaillen angeführt (Abb. 7 9).